Ein kleiner Einblick in mein Berufsleben

Oder: Warum der letzte Post schon wieder 9 Monate her ist...

WAS BIN ICH EIGENTLICH?

Um das zu beantworten, muss ich ein bisschen in die Vergangenheit reisen.

Denn eigentlich bin ich gelernter Fashion Stilist und Modelist. Heißt im Klartext, ich habe ein duales Studium /eine duale Ausbildung zum Modezeichner/ Designer und Modeschneider gemacht. Ganz klischeehaft hatte ich auch tatsächlich immer den Traum ein eigenes Label zu gründen, welcher sich allerdings schon während des Studiums relativ schnell in Luft auflöste.

Und als ich dann mein Diplom in der Tasche hatte und raus in die Arbeitswelt geschickt wurde, war ich zum ersten Mal damit konfrontiert selbst wirklich Geld verdienen zu müssen, um mir meinen Lebensunterhalt zu sichern. Da sind dann plötzlich Ausgaben wie Versicherung (ganz ehrlich ich hab erstmal angefangen zu heulen, bei dem Satz, den ich zahlen muss), Miete, geschweige denn der ganze Rest, der in einem Haushalt so anfällt. Für mich hieß es also nicht mehr "Auf der Suche nach dem Traumjob" sondern "Möglichst schnell möglichst viel Geld verdienen". Lange Rede kurzer Sinn, ich hatte wahnsinniges Glück und kam nach einigen unbezahlten Praktika über eine Freundin zu einem großen Projekt und meiner ersten Anstellung beim Film. Ich lernte schnell, in dieser Branche läuft alles über Kontakte und lebte mich fix ein. Ein Monat historischer Wilder Westen, zwei Wochen zeitgenössische Komödie, zweieinhalb Monate Jugenddrama, drei Monate historisches Drama am Theater, eben ohne Pause von einem Projekt zum nächsten.


Mittlerweile sind zwei Jahre vergangen und ich hab den Dreh (haha, der Wortwitz ist mir erst beim dritten mal lesen aufgefallen, also seid nicht zu hart zu mir) so ziemlich raus.

Jedes Projekt beginnt genau gleich. 

Du bewirbst dich, du wirst von einem Kollegen empfohlen oder man findet dich übers Internet. Dann folgen die Gagenverhandlungen, der für mich furchtbarste Teil.

Weil du jedes Mal wieder erklären musst, warum du unter einem bestimmten Festpreis nicht arbeitest und warum man dich nehmen sollte und nicht jemanden, der vielleicht 20€ unter deiner gewünschten Wochengage liegt.

Und ist das unleidige Thema dann mit beiderseitigem Einverständnis ausdiskutiert geht die Vorbereitung auch schon los. Klar, die sieht jedes Mal anders aus, historisch natürlich meist länger als zeitgenössisch, genauso Kino länger als Fernsehfilm.

Da verkaufst du, indem du deinen Namen unter den Vertrag setzt quasi deine Seele für die nächsten ein bis 4 Monate. Beim Film ist das nämlich so: Da arbeitet man 15 Stunden am Tag, oft 6 Tage die Woche und meistens hat man auch am 7. Tag auch noch gut was zu tun. 

Klingt erst Mal heftig, macht mir aber trotzdem wahnsinnig viel Spaß, denn:

 

Neue Herausforderungen treiben mich an.

Unter Druck blühe ich auf.

So nervig die dauernden Gagenverhandlungen sind, ich habe dadurch gelernt mich selbst besser zu präsentieren und meine Arbeit mehr zu schätzen.

Ich hatte noch nie so tolle, inspirierende Begegnungen und neue Bekanntschaften wie in den letzten beiden Jahren und es scheint kein Ende zu nehmen.

Wenn ich Urlaub brauche, kann ich mir einfach ein paar Wochen oder Monate eine Auszeit nehmen.

Ich reise beruflich durch die ganze Welt.

Und und und....

 

Ich könnte ewig so weitermachen, aber dem soll dieser Post nicht gewidmet sein. Ich will nicht andere davon überzeugen, dass mein Beruf perfekt ist und dass ich vollends erfüllt davon bin. Denn so ist es nicht. Auch ich habe Tage an denen ich mich weinend in meinem Bett verkriechen möchte. Auch ich habe Momente, in denen ich an mir und meiner Berufswahl zweifle und es gibt auch Kollegen, mit denen ich nicht auskomme.

Aber trotz all dem überwiegen die schönen Momente. 

Ich sage immer gern jeder Dreh ist wie ein neues Tattoo zu bekommen. Erst freust du dich wahnsinnig, dann ist es endlich so weit und fängt nach kurzer Zeit aber an weh zu tun und die Schmerzen werden vielleicht sogar so groß, dass du nicht weißt, ob du es durchhalten kannst. Aber schließlich, wenn das Tattoo fertig ist und du einige Zeit später drauf blickst, denkst du an all das, was du damit verbindest und die Schmerzen, die du während dem Stechen hattest sind schon wieder so gut wie vergessen und du freust dich auf dein nächstes Mal...

 

 

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