Sonntagspost: Nach Strich und Faden

 

Was war euer Berufswunsch, als ihr jünger ward? Eigentlich kommen auf diese Frage doch immer die gleichen Antworten.

Tierärztin, Balletttänzerin, Stewardess.

Ich erinnere mich ehrlich gesagt nicht an meine Kindheitsträume im Bezug aufs Berufsleben und ein Vorbild hatte ich auch nie.

 Ich weiß aber noch, dass ich schon immer gerne malte und bastelte, fotografierte und mich in Stoffe hüllte, die ich notdürftig mit der Hand zusammen geheftet hatte.

In der achten Klasse mussten wir dann im BIZ einen Test zur Berufsfindung machen. Bei mir kam "Fashiondesigner" raus.

Und irgendwie blieb das so hängen. 

Das klingt doch auch toll. Da fallen einem nämlich gleich so Stereotypen ein wie Karl Lagerfeld oder Vivienne Westwood, lebende Ikonen des Modeimperiums, die ein paar Striche aufs Papier kritzeln und ihre Ideen dann von fleißigen Schneiderbienchen nähen lassen.  

 

Natürlich erzählt einem vorher keiner wie der steinige Weg bis zum vermeintlichen Erfolg ist. Aber so ganz blauäugig ist man nach drei harten Studienjahren auch nicht mehr und resigniert vielleicht auch ein bisschen, wenn es dann um den Start ins echte Berufsleben geht.


So war es jedenfalls bei mir.

Ich ertappte mich im letzten Jahr oft dabei, wie ich mir wünschte nach dem Abitur doch einen "vernünftigen" Beruf gewählt zu haben. Mit regelmäßigen Arbeitszeiten, einem gesicherten, guten Einkommen und genug Zeit für Freunde und Freizeit.

Tja, da muss man sich eben entscheiden und Prioritäten setzen. Denn selbst wenn man selbst es ok findet, seine Freunde nur noch alle paar Wochen zu sehen, muss es denen nicht genauso gehen. 

Bekannte kommen und gehen eben. Und so viele neue Gesichter man in der Modewelt kennenlernt, so schnell vergisst man sie auch wieder. 

Ich weiß noch, wie oft ich nachts wach lag und mir das Hirn zermarterte, wer wohl gerade sauer auf mich war, weil ich wegen zu viel Stress in der Uni eine Geburtstagsfeier oder einen Kinoabend abgesagt hatte. Oder wie ich nach einer 70 Stunden Woche die Nerven verlor, nur weil mein Mitbewohner seinen Teller nicht in die Spülmaschine geräumt hatte.

 

Und wenn ich morgens um 5:30 Uhr aufstehe, nach 3 Stunden Schlaf, geschminkt vom Vorabend, mir die Zähne putze und anschließend wieder an den gleichen Entwurf oder die gleiche Moulage zurückkehre, an der ich eigentlich schon viel zu lange arbeite, dann tue ich es trotz Schlafmangel mit einem Lächeln.

Weil ich weiß, wieso ich es mache.

Für mich gibt es nichts schöneres, als etwas mit meinen eigenen Händen zu kreieren.

Wenn ich Abends ins Bett gehe, dann will ich sehen, was ich geschafft habe.

Dann will ich nicht aus einem Büro nach Hause trotten, den Kopf voller Bilanzen oder Paragraphen, mir ein Feierabendbier auf dem Sofa reinziehen und mich dabei von Dieter Bohlen oder Heidi Klum bespaßen lassen. 

Ich will mich selbst inspirieren. UND EUCH.

Ich will andere Menschen mit meinen Ideen glücklich machen.

Ich will neue Formen, Farben und Muster entdecken.

Ich will nach einem harten Arbeitstag nicht mein Gehirn aus- und auf Durchzug schalten.

Ich will auch nach Feierabend mit Freude an meine Arbeit und an den bevorstehenden Tag denken können.

Da ist es für mich ok, dass alles andere manchmal ein bisschen zu kurz kommt.

Weil ich weiß, dass meine Familie und meine Freunde mich kennen. Dass sie nicht sauer sind, wenn ich mich mal 3 Tage nicht zurück melde, weil ich mit dem Kopf wo anders bin.


Wie gesagt, einen richtigen Berufswunsch hatte ich nie und genauso kein typisches Vorbild. Aber wenn ich damals schon Barbara Baum gekannt hätte, sie wäre es gewesen.

Nach unzähligen Erfolgen und Auszeichnungen ist die heute 71 jährige Kostümbildnerin (bekannt aus Filmen wie "Homo Faber" oder "Buddenbrooks") bis heute sie selbst geblieben und lebt nach wie vor ihren Traum. Und wer kann nach über 4 Jahrzehnten heutzutage noch von sich behaupten, seine Arbeit zu lieben?

Ich hoffe ich kann es eines Tages. 




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Kommentare: 3
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